Document Actions

Adrian Constantin, seit 1. September Professor für Partielle Differentialgleichungen an der Universität Wien

 

Adrian Constantin, geboren 1970 in Temeswar, absolvierte 1988 die deutschsprachige Schule (Grundschule und Gymnasium "Nikolaus Lenau"). Diplomstudien ("Maîtrise de Mathématiques Pures" 1991 und "Diplôme d'Études Approfondies" 1992) an der Universität Nice wurden von einem Doktoratsstudium am Courant Institute of Mathematical Sciences (New York University) mit anschließender Promotion 1996 gefolgt (mit Professor H.P. McKean als Hauptbetreuer und Professor P.D. Lax als Nebenbetreuer). Anschließend war Adrian Constantin als Universitätsassistent an der Universität Basel und als Oberassistent an der Universität Zürich tätig. 1999 habilitierte er sich in Mathematik an der Universität Zürich. Nach einer kurzen Periode als "Lecturer in Applied Mathematics" an der Universität Newcastle upon Tyne, führte ihn 2000 ein Ruf als Professor an die Universität Lund. Von 2004 bis 2008 war Adrian Constantin der Inhaber des "Erasmus Smith's Chair of Mathematics (1762)" am Trinity College (Dublin). 2007 erfolgte der Ruf an die Universität Wien als Professor für Partielle Differentialgleichungen (mit Dienstantritt am 1.IX.2008). Seine Entscheidung für die Universität Wien (und die dementsprechende Ablehnung der Rufe auf eine Professur an der Brown University und auf eine W3-Professur an der Universität Karlsruhe) wurde nicht zuletzt durch die Strategie der Universitätsleitung, die Forschungsqualität in den Vordergrund zu setzen, bewirkt.

Adrian Constantins Forschungsschwerpunkt bilden die partiellen Differentialgleichungen. Es handelt sich um ein umfangreiches Gebiet, das tief im klassischen Bereich der Mathematik wurzelt und vielfältige Anwendungen in anderen mathematischen Gebieten, aber auch den Naturwissenschaften, speziell der Physik, gestattet. Zum Beispiel dient die Theorie der Wasserwellen als Paradigma für die Vorgehensweise. Es wird versucht, beobachtete natürliche Phänomene wie Solitonen oder Tsunamis, deren Entdeckung und Erforschung Wissenschaftler und Ingenieure aber auch Laien über hundert Jahre lang gereizt haben, durch Mathematik zu beschreiben und dadurch zu verstehen. Mangels formelmäßiger Lösungen und wegen der Komplexität der nichtlinearen Phänomene sind numerische Simulationen für ein tieferes Verständnis meist unzureichend. Stattdessen muss man strukturelle Eigenschaften erforschen, ein Prozess in dem neben analytischen auch algebraische, geometrische und topologische Methoden eine zentrale Rolle spielen. Es ist bemerkenswert, dass unterschiedliche Gebiete der Mathematik (wie Spektraltheorie, algebraische Geometrie und Numerik) Einblick in die Dynamik der Solitonen ermöglicht haben. Die Anschlüsse zu anderen Gebieten der Mathematik und die vielseitige Wechselwirkung zwischen Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaften haben einen besonderen Reiz.

Adrian Constantins wissenschaftliche Tätigkeit wurde durch mehrere Forschungspreise anerkannt ("Benedetto Sciarra" Preis der Scuola Normale Superiore di Pisa 1994, "Göran Gustafsson" Preis der Royal Swedish Academy of Sciences 2005, "Friedrich Bessel" Preis der Humboldt-Stiftung 2007) und ist in eine Vielzahl von internationalen Netzwerken eingebunden. Er war Organisator internationaler Tagungen und Symposien und betreute mehrere Doktoranden und Postdoktoranden die jetzt forschungsaktiv Mathematik an Universitäten weltweit betreiben. Demnächst will er eine Forschungsgruppe in Wien aufbauen.